Ungleich gelängte Balancerkette? Wirklich?

martin s aus b
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Re: Ungleich gelängte Balancerkette? Wirklich?

Beitrag von martin s aus b » Mi 23. Dez 2020, 13:43

Hallo Zusammen,

ich les grad in der wieder klasse gemachten TX-Post 05/2020, die Fredi als Lektüre für graue Corona-Tage kürzlich verschickt hat, den 1972#er Test der TX 750 von Dave Holeman aus 'Motorcyclist '.

Und da steht (ich hab den automatisiert übersetzten deutschen Text ein wenig redigiert)

Neuartige Ausgleichsschwungräder drehen sich bei Kurbelwellendrehzahl ... die versetzten Ritzelzentren eliminieren den Kettenspanner.

In den frühen Produktionsphasen wurde ein federbelasteter Kettenspanner verwendet, um das Spiel im Gegengewichtstrieb zu reduzieren. Dieses System hat sich nicht bewährt, da die Lebensdauer der Kette kurz war. Spätere Versionen kommen ohne den Spanner aus ... Yamaha hat für jedes der drei Ausgleichsräder die Mitte um einen Millimeter versetzt (1/2 Millimeter Radius). Auf diese Weise wird das Kettenspiel bei den Leistungspulsationen der Kurbelwelle auf dem größeren Radius der Ritzel aufgenommen. Dadurch entfällt der Spanner, das Kettengeräusch wird leiser und die Lebensdauer steigt.


... für jedes der drei (!) Ausgleichsräder die Mitte ... versetzt ...

Matthias hat die versetzten Mitten an den beiden Balancern gefunden und auch gemessen, ich hab dazu mittels Excel versucht, den Einfluß des Mittenversatzes auf die Kettenlänge / Kettenspannung über eine Motorumdrehung zu erfassen. Wenn das Antriebsritzel auf der Kurbelwelle auch einen Versatz hat ist das Berechnungsergebnis zwangsläufig falsch.

Wäre klasse, wenn jemand eine Kurbelwelle liegen hätte und an der mal den Mittenversatz des Ritzels und die zugehörige Richtung messen würde. Bin gespannt was die Rechnung dann sagt.

Danke schon mal!

Martin

schraubix
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Re: Ungleich gelängte Balancerkette? Wirklich?

Beitrag von schraubix » Sa 26. Dez 2020, 23:38

Hey zusammen,
ganz schön interessant was da an Gedanken zum Balancer zusammengekommen ist.
Heute hab ich mal eine KW in ein leeres Motorgehäuse gelegt und mit dem Tiefenmass den Versatz gemessen. Ueber die Spitzen des Ritzels ist die Messung natürlich etwas ungenau aber die Tendenz ist klar zu erkennen.
Neben dem Ritzel auf der Welle messe ich 3 Zehntel Exzentrizität. Wenn das Pleuellager nach hinten zeigt, steht das kleine Gewicht gerade nach unten. Wie in der Einstellvorschriftbeschrieben, haben wir in dieser Stellung 1 Zehntel Spiel.
Wenn dann die Pleuellager nach vorne Zeigen, haben wir somit 4 Zehntel Spiel.
Nun da ich jetzt weiss, dass alles exzentrisch läuft, mache ich mir auch keine Sorgen mehr wenn sich das Spiel während einer Umdrehung verändert. Wenn man sich aber an die Vorgabe von YAMAHA hält, muss es eigentlich passen.
Wenns dann aber trotzdem vibriert, wie bei meinem vorletzten Motor, kommt mir auch nichts anderes in den Sinn als die Teile zu wechseln.
Was mich auch noch interessieren würde, sind die Farbmarkierungen auf der Kette. (3 weisse Marken). Vielleicht kann jemand was dazu sagen...
SchöneFeiertage wünsche ich euch.
Gruss schraubix

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Re: Ungleich gelängte Balancerkette? Wirklich?

Beitrag von schraubix » Mi 30. Dez 2020, 00:04

Also dieses Balancer System hab ich mir heute nochmal genauer angeschaut.
Martin hat gefragt, wie ich die Exzentrizität der Kurbelwelle gemessen habe.
Auf die Fläche der Geäusehälfte stellte ich eine Tiefenmessuhr, die unmittelbar neben dem Ritzel abtastet. Auf der höchsten Stelle an der KW stellte ich die Skala auf Null. Diese höchste Stelle befindet sich in der Stellung UT.
Auf einer Umdrehung der KW zeigt die Uhr 0.3mm exzentrisch. Bei OT ist also am meisten "Luft" oder besser gesagt, die Kette wäre maximal entspannt, wenn da nicht die beiden anderen Ritzel wären, die kompensieren.
Die beiden Gewichte hab ich auch nochmal nachgemessen und bin auf exakt die gleichen Werte gekommen wie Matthias.
Wie schon gesagt, hat die Kette Maximalspannung bei der Stellung " Körner-Gehäuse*. Bei jeder anderen Stellung der KW ist die Kette lockerer. Es ist also sicher richtig, 0.1mm Spiel zu geben beim Einbau.
Schon beeindruckend, was die Jungs da bei Yamaha ausgetüftelt haben.
Guten Rutsch euch allen
schraubix

martin s aus b
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Re: Ungleich gelängte Balancerkette? Wirklich?

Beitrag von martin s aus b » Do 7. Jan 2021, 17:06

Vor dem Fenster herrscht erbärmlich trübes Wetter und Ueli hat, als Weihnachtsgeschenk für mich, die Exzentrizität des Ritzels an der Kurbellwelle bestimmt. Deshalb hab ich jetzt heut mit dieser zusätzlichen dritten Exzentrizität nochmal die Schwankung der Kettenlänge über eine Kurbelwellenumdrehung gerechnet und siehe da ...

Kettenlänge TX 750 Balancer - V6.jpg
Kettenlänge TX 750 Balancer - V6.jpg (144.01 KiB) 62 mal betrachtet

Unsere Geometriedaten sind ja alle mehr oder weniger 'nur' gemessen. Gut möglich also daß das mit den Konstruktionsdaten noch besser aussieht.

Mit einem speziellen Gruß an Hanspi!

Martin

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